Die Stars zu Hause

Die Fotoausstellung zur Jazzwoche Burghausen

Ein Video von Markus Valley

Im Haus der Fotografie in Burghausen gibt es gerade eine bemerkenswerte Ausstellung. Der Leipziger Fotograf Arne Reimer hat 100 Jazzlegenden zu Hause in deren privatem Umfeld besucht und äußerst persönliche und beeindruckende Fotos gemacht. Selten kam man diesen „American Jazz Heroes“, so der Titel der Ausstellung, so nahe. Wir haben einen Rundgang gemacht.

Die Ausstellung geht noch bis 7. Mai 2017 im Haus der Fotografie

 

Jazzwoche 2017

BRN30055C93A125_001508

Am Dienstag geht es endlich wieder los!

Auch hier im Jazz-Blog zur Jazzwoche… Wir planen ganz tolle Beiträge, Interviews und Buntes um und über die 48. Internationale Jazzwoche Burghausen!!!

 

Die zeitlose Magie des Jazz

Die Jazzwoche 2016 ist zu Ende. Unser BR-Blog wird bis nächstes Jahr geschlossen. Alle Beiträge und Post bleiben aber sichtbar und Kommentare werden freigeschalten.

Am vergangenen Samstag hatten wir noch Gelegenheit, mit Kirk Lightsey, der dieses Jahr wieder im Jazzkeller der Hauspianist war, ein einstündiges Interview zu machen. Auf die Frage, welche Bedeutung Jazz allgemein für ihn hatte und hat, sagte er: „Jazz damals, das war ein Tanz, ein Gefühl, ein Groove, das war hip“.

Das soll unser Schlusswort sein, denn genau so haben wir den Jazz in Burghausen erlebt. Jazz in Burghausen 2016: Das war ein Tanz, ein Gefühl, ein Groove, das war hip.

Dann auf ein Neues, 2017 …

 

Legenden und Newcomer

Hier nochmal ein paar der schönsten Momente der 47. Internationalen Jazzwoche Burghausen vom Eröffnungskonzert am 9. März in der Wackerhalle. Das Kammerer OrKöster und Ron Carter & Richard Galliano mit der WDR Big Band Köln.

Eingefangen von Ralf Dombrowski

 

Eins, Zwei, Viele

Der Versuch einer musikalischen Bilanz zur 47. Internationalen Jazzwoche Burghausen

Carter & Galliano

Es gibt sie, diese Momente. Sie bleiben hängen, vielleicht für immer. Musik ändert das Leben, und manchmal ist es die leise Musik, die das am besten kann.

Die Jazzwoche Burghausen ging am Sonntag zu Ende. Über 30 Konzerte in der ganzen Stadt und wahrscheinlich eine Rekordzahl an teilnehmenden Künstlern. Allein drei Bigbands konnte man erleben, dazu große Combos mit sechs bis zehn Beteiligten, und relativ wenig kleinere Bands. Auf der Hauptbühne in der Wackerhalle gab es nur am Blues-Nachmittag ein Trio, alle anderen neun Bands waren größer besetzt.

Trotzdem, diese Jazzwoche bleibt vor allem in Erinnerung wegen ihrer reduzierten, kleinen, intimen Momente, und da gab es einige.

Wie etwa Kontrabassist Ron Carter und Akkordeonist Richard Galliano einander musikalisch umarmen – Galliano spricht sogar im Interview von einem „Akt der Liebe“. Ganz nah sind sich die beiden. Musik, technisch und ästhetisch enthoben, über all dem Lärm der Zeit schwebend.
Noch gesteigert wird das nur in der weiteren Reduktion. Ron Carters Finger wandeln über die Saiten seines Instruments und lassen die Sonne aufgehen. Der Klassiker „You are my sunshine“, teilweise verwoben mit dem Präludium aus der Cello Suite Nr. 1 G-Dur von Johann Sebastian Bach, auch ein Klassiker. Was Ron Carter hier entstehen lässt, ist einer dieser unvergesslichen Momente, in dem die Töne zwar verklingen, aber für immer Spuren hinterlassen.

P1100699So etwas geschieht auch einen Tag später. Der amerikanische Schlagzeuger Sangoma Everett kommt mit seinem Trio und Gästen in die Wackerhalle. Everett ist ein Gentleman. Er lässt anderen den Vortritt. Seinem Gast, dem Trompeter Enrico Rava zum Beispiel. Die Italienische Jazzlegende, im Sommer wird er 77, wird dadurch gleich vor eine Herausforderung gestellt: „My funny Valentine“ im Duo mit Everetts Pianist Bastien Brison, 52 Jahre jünger als Rava. Nicht einmal kurz anspielen können sie das Stück. Probe gibt es keine, und der Soundcheck ist zu hektisch.

Aber der Dialog der beiden im Konzert, das aufmerksame, konzentrierte Einander-Zuhören und Auf-Einander-Eingehen, wird zur Sternstunde. Brison schürft nach tiefverborgenen Harmonien in der weitläufigen Miene dieses Jazzstandards und Rava fördert zarteste Rohdiamanten an Tönen aus dem dunklen Stollen zu Tage. Auch so ein Moment für die Ewigkeit.P1110634

Aber es gibt noch mehr dieser Augenblicke: Sänger Andreas Schaerer bei seinen unbegleiteten Soloexkursen. Rhythmus, Melodie und Harmonie werden nur mit Mund, Kehle und Nase erzeugt, beeindruckend.

Bassistin Beate Wiesinger aus dem Kammerer OrKöster, der Gewinnerband des Nachwuchspreises, nimmt sich mehr als drei Minuten um ein Intro zu spielen, in dem jeder Ton seine zu Herzen gehende Bedeutung hat.

Oder wie die Startrompeter Franco Ambrosetti und Dusko Goykovich, seit fast mehr als 50 Jahren befreundet, einander respektvoll auf der Bühne begegnen.

Ambrosetti & Goykovich

Die lauten Momente der Jazzwoche waren witzig und emotional, wie bei dem französischen Brassband-Partyhaufen „Les Lapins Superstars“. Oder professionell beeindruckend, wie bei den perfekten Einsätzen und kraftvollen Soli der WDR Big Band, die Carter und Galliano in Teilen des Konzerts begleitete, oder kalt virtuos, wie bei den schier endlosen Tonkaskaden der Stanley Clarke Band.

Von den leisen Momenten aber, die man bei der 47. Internationalen Jazzwoche Burghausen erleben konnte – von ihnen wird man noch lange sprechen.