„Der Dienstag ist der spannendste Tag“

Den Satz hört man oft an diesem Abend. Die Stars der Jazzwoche sind toll, keine Frage, aber die kennt man.

Entdeckungen kann man aber beim Nachwuchspreis machen. Etwa das österreichische „trio akk:zent“. Man meint, hier würden sich Igor Strawinsky und Ornette Coleman begegnen und zwar irgendwo auf einer Alm in der Steiermark. Die Musik der zwei Akkordeonisten und der Saxophonistin sammelt Bausteine aus Heavy Metal, Free Jazz, Musette, moderner Klassik und vermixt das Ganze zu einem mitreißenden Klangnetz. Von der Jury wurden die drei mit dem dritten Platz belohnt. Aber auch in konventionelleren Besetzungen überzeugen die Finalisten. Die Band des Mainzer Pianisten Jan Felix May in klassischer Besetzung Klavier, Gitarre, Saxophon, Bass, Schlagzeug spielt vertrackt, verschroben, verzerrt, manchmal vielleicht etwas verloren in der Laufrichtung wohin ein Solo führen soll, aber in den Themen und Brüchen perfekt auf einander abgestimmt. Das begeistert die Jury so, dass es der zweite Platz für die Band wurde. Dazu gab es sogar noch einen Solisten Preis für JF May, wie sich der Pianist nennt. Über diese Reihenfolge von zweitem und drittem Preis kann man diskutieren, muss man aber nicht. Worüber man nicht diskutieren muss, ist der erste Platz.


Das Sextett Kammerer OrKöster war klar die Band mit den stärksten Solisten, interessantesten Kompositionen, zwischen witzig und tiefgründig, und das Ensemble mit den präsentesten Individualsounds. Kontrabassistin Beate Wiesinger liefert das Fundament, das die Bläser zusammenhält. Schlagzeuger Jakob Kammerer könnte die Kompositionen auch alleine spielen, so stark gestaltet, begleitet und kommentiert er die Musik. Die zwei Posaunisten, Alois Eberl und Christian Zöchbauer, Altsaxophonist Benjamin Daxbacher und Trompeter Richard Köster klingen mal nach New Orleans, mal nach Blaskapelle und sind immer hellwache und inspirierte Teamplayer.

Dass Richard Köster, der Co-Bandleader neben Schlagzeuger Kammerer, aus Burghausen kommt, ist eine schöne Randnotiz, aber auch nicht mehr. Die Bands werden ja blind von der Jury ausgewählt, insofern hat er da schon musikalisch überzeugt. Den Heimvorteil im Burghauser Stadtsaal hat diese aufsehenerregende Band nicht nötig gehabt. Wenn die sechs so spielen, wie am Dienstagabend, gewinnen sie bei jedem Nachwuchswettbewerb.

Übrigens: Das Konzert der Kammerer OrKösters und das Konzert von Ron Carter, Richard Galliano und der WDR Big Band gibt es auf der BR-KLASSIK Website als Live-Videostream. Egal wo man ist, man kann heute Abend live in Burghausen sein, hier die Links dazu:

https://www.br-klassik.de/programm/livestream/ausstrahlung-653226.html

https://www.br-klassik.de/programm/livestream/ausstrahlung-653228.html

 

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