Sempft mit Stil

Das Kammer OrKöster: Nicht nur der Bandname ist ungewöhnlich: Sie kommen ganz ohne Harmonieinstrument aus. Die Akkorde legen sie lieber in die Stimmen ihres selten besetzten Bläsersatzes: Trompete, zwei Posaunen und Alt-Saxophon. Komplettiert von Kontrabass und Schlagzeug, entsteht ein Sound, der sie unverkennbar macht: mal feinsinnig lyrisch und dann wieder kraftvoll groovend. Sie spielen an diesem Abend durchweg Eigenkompositionen, die genau zwischen diesen zwei Polen wandern.

Gelungene Eröffnung der Jazzwoche Burghausen in der Wackerhalle. Das Kammerer Orköster – feinsinniger Bläsersound und kraftvoller Groove. Trompete: Richard Köster, Benjamin Daxbacher: Alt-Saxophon, Alois Eberl: Posaune, Christian Zöchbauer: Posaune, Beate Wiesinger: Bass, Jakob Kammerer: Schlagzeug.

Richard Köster fühlt sich in seiner Heimatstadt sichtlich wohl: Sein Spiel an der Trompete und am Flügelhorn ist ausdrucksstark und facettenreich. Seine Ansagen sind sympathisch und bodenständig. Er ist sichtlich geehrt, Teil dieser Jazzwoche zu sein und bekennt am Ende, er würde sich freuen, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Bezüge zu seiner Heimat spiegeln sich auch in einem Titel wider: Wenn das Kammerer OrKöster ‚Senf‘ auspackt (gesprochen: „Sempft“), wird es musikalisch scharf: dann rumort es mit einem Hauch von Ironie. Dabei kontrastieren die tiefen Töne der Posaunen mit den hohen von Saxophon und Trompete, um dann im nächsten Moment wieder zu einem gemeinsamen Bläsersound zu verschmelzen. Da haben die Musiker viel zusammen getüftelt und sich dann fein abgestimmt. Dabei haben sie ein feingliedriges musikalisches Gerüst geschaffen, aus dem sie immer wieder mit starken Improvisationen ausbrechen: Etwa wenn Posaunist Alois Eberl die Posaune ansetzt und mit seinen kraftvollen Linien die ganze Band mitreißt, oder wenn Bassistin Beate Wiesinger mit ihrem vollem Ton ein Intro spielt. Aber nichts davon wirkt wie Show, und gerade deswegen ziehen sie das Publikum in ihren Bann. Man hat das Gefühl, dass hier nicht nur sechs Musiker, sondern auch sechs Freunde auf der Bühne stehen, die sich gegenseitig zuhören und einander vertrauen. Nur so kann dieser Bandsound entstehen, von dem die Zuschauer an diesem Abend nicht genug bekommen können: Mit viel Applaus wird das Kammerer OrKöster verabschiedet und lädt mit dann mit einer fein-knalligen Zugabe ‚zum Tanzen‘ ein. Ein gelungenes Eröffnungskonzert der 47. Burghauser Jazzwoche!

 

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